Förderung mit der Arbeit am Tonfeld®

30.06.2025

Hasans Weg zurück ins Leben 

Hasan (Name geändert) ist ein zehnjähriger Junge mit einer tiefen Verbundenheit zur Natur. Aufgewachsen in einem kleinen bosnischen Bergdorf, eingebettet in eine liebevolle Großfamilie, war seine Kindheit von Freiheit, Nähe und Geborgenheit geprägt – besonders in der Beziehung zu seinem Großvater. 

Mit sieben Jahren wird dieses Leben abrupt unterbrochen: Ohne Vorankündigung nehmen ihn seine Eltern mit nach Deutschland, in eine ihm völlig fremde Umgebung. Für Hasan ein Schock. Er lehnt die neue Realität ab – weigert sich, Deutsch zu sprechen, in die Schule zu gehen oder überhaupt anzukommen. 

Als die Barbos-Stiftung seine Förderung mit der Methode der Arbeit am Tonfeld® ermöglicht, besucht Hasan bereits die dritte Klasse einer Münchner Grundschule. Doch seine sprachlichen Fähigkeiten sind noch stark eingeschränkt: Er kann kaum lesen und schreiben, seine Sprache ist schwer verständlich. Seine Emotionen entladen sich oft in heftigen Wutausbrüchen – in der Schule kommt es regelmäßig zu aggressiven Auseinandersetzungen. Auch körperlich zeigen sich seine inneren Konflikte: Hasan leidet unter Asthma und Neurodermitis. 

Ein vorsichtiger Anfang
Schon in der ersten Tonfeld-Stunde überrascht Hasan: Er verweigert sich weder dem Kontakt zur Tonfeldbegleiterin noch der Arbeit mit der Tonerde – ein erstes Zeichen von Vertrauen. Seine Berührungen sind kräftig, aber ungerichtet, seine Energie erreicht den Körper nicht. Es wird deutlich: Seine Lebenskraft, Selbstbehauptung und Lebensfreude sind blockiert. 

Ein Fisch für den Großvater
In der sechsten Sitzung geschieht etwas Entscheidendes: Zum ersten Mal lacht Hasan. Er modelliert einen Fisch, filetiert ihn sorgsam mit vertikalen Schnitten – und legt das beste Stück für seinen verstorbenen Großvater an einen besonderen Platz im Tonfeld. Dieses kleine, stille Ritual wird zu einem Schlüsselmoment. Es gelingt ihm, sich innerlich wieder mit dem „verlorenen Paradies“ seiner Kindheit zu verbinden. 

Berührung als Weg zur Heilung
In den folgenden sechzehn Sitzungen zeigt sich ein stetiger Prozess der Stabilisierung. Vor allem das Spiel mit Wasser – das „Schlickern“, Spritzen, das Einreiben der Arme, das Fluten des Feldes – hilft ihm, seine sensorischen Bedürfnisse zu stillen und das Gefühl von Gehaltensein und Einheit wiederzuentdecken. In der zwanzigsten Stunde sagt er schließlich beim Berühren des Wassers:

„Jetzt fühle ich mich so wie in Bosnien.“
Für seine Begleiterin ist dies ein zutiefst bewegender Moment – ein kleines Wunder. 

Ein neuer Alltag
Hasan ist inzwischen ein anderer Junge. Sein Verhalten in der Schule hat sich deutlich verändert: Er nimmt aktiver am Unterricht teil, zeigt mehr Kooperationsbereitschaft, die Wutausbrüche sind selten geworden. Er wirkt offener, zugänglicher, freundlicher. In seiner Klasse hat er inzwischen sogar zwei Freundschaften geschlossen. 

Auch zu Hause ist ein Wandel spürbar: Hasan hilft seiner Mutter beim Kochen – ein „kleiner Meisterkoch“ sei er geworden, sagen die Eltern. Er übernimmt Aufgaben, die er zuvor strikt abgelehnt hatte. Sein Asthma hat sich verbessert, die Neurodermitis ist fast verschwunden. 

Ein Weg ist gefunden
Hasan hat seinen Zugang zur Welt und zu sich selbst wiederentdeckt. Er ist noch nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg – mit mehr Ausgeglichenheit, Vertrauen und einem wachsenden Gefühl von Zugehörigkeit. 

Die Barbos-Stiftung freut sich, ein Stück dieses Weges begleitet haben zu dürfen. 

(Bericht: Barbara Osterwald)